Venöse Beingeschwüre (Ulcus cruris venosum) sind die häufigste Form von Beingeschwüren1 und entstehen oft infolge einer chronischen venösen Insuffizienz2. Sie können die Lebensqualität der betroffenen Patient*innen erheblich beeinträchtigen und eine Belastung für Gesundheitssysteme darstellen. Eine präzise Diagnose und eine wirksame Behandlung sind entscheidend, um die Heilungsergebnisse zu verbessern. In diesem Abschnitt betrachten wir, wie venöse Beingeschwüre diagnostiziert und behandelt werden und wie die Produktlösungen von Essity jeden Schritt des therapeutischen Prozesses unterstützen können.
Diagnose und Prävention von Komplikationen
Eine rechtzeitige Diagnose ist entscheidend, um die Heilungszeit zu verkürzen und Komplikationen zu verhindern.¹ Die anfängliche und regelmäßige Beurteilung sollte ganzheitlich erfolgen und Folgendes umfassen:3,4,5
Umfassende medizinische Anamnese der Patient*innen
- Komorbiditäten
- Medikation
- Allergien sowie Nikotin‑, Alkohol‑ und Substanzkonsum
- Frühere gefäßmedizinische Behandlungen
- Lebensstilbezogene und psychosoziale Einflussfaktoren, etwa Aufklärung, Adhärenz und Selbstversorgungsfähigkeit
Klinische Untersuchung
- Klinische Anzeichen, die auf eine Infektion oder Entzündung hindeuten
- Arterielles Assessment
- Beurteilung des Ödems
- Symptome einer chronischen venösen Insuffizienz
- Beurteilung der Wunde einschließlich Exsudat und Geruch
- Schmerz
- Lebensqualität
Klinische Klassifikation venöser Beinulzera gemäß der CEAP-Klassifikation
Nach der Diagnose wird die chronische Venenerkrankung mit dem internationalen CEAP‑Klassifikationssystem eingestuft, das die Bereiche Clinical (klinischer Befund), Etiological (Ätiologie), Anatomical (Anatomie) und Pathophysiology (Pathophysiologie) umfasst (CEAP).6 Die frühe Phase eines venösen Beinulkus zeigt sich durch Besenreiser oder retikuläre Venen. Diese können – je nach Hautton – blau, rot, violett, braun oder dunkler erscheinen.7 In Stadium 2 treten Krampfadern auf, die sich von retikulären Venen durch einen Durchmesser von 3 Millimetern oder mehr unterscheiden. In Stadium 3 kommt es zu einem Ödem. In Stadium 4 treten Hautveränderungen und Veränderungen des Unterhautfettgewebes auf, infolge der CVI. Dazu gehören zum Beispiel Pigmentierungen, Ekzeme, Lipodermatosklerose oder Atrophie blanche. Stadium 5 beschreibt ein abgeheiltes venöses Ulkus, während Stadium 6 ein florides (aktives) venöses Ulkus darstellt.6
Aktuelle Leitlinien empfehlen, dass Patient*innen mit einem Ulcus cruris venosum (UCV) frühzeitig ganzheitlich untersucht und behandelt werden. Dazu gehören die Abklärung der zugrunde liegenden Ursachen, eine angemessene Wund- und Hautpflege sowie eine wirksame Kompressionstherapie.8 Je nach ärztlicher Einschätzung kann die Versorgung in enger Abstimmung mit den Patient*innen in der hausärztlichen Praxis oder in einer wohnortnahen Einrichtung erfolgen. Bei komplexeren Fällen kann eine Überweisung an ein interdisziplinäres Team sinnvoll sein. Dazu zählen unter anderem Ärzt*innen verschiedener Fachrichtungen, Pflegefachkräfte, Stomatherapeut*innen, Ernährungsberater*innen, Physiotherapeut*innen, Expert*innen für medizinische Kompressionsstrümpfe sowie Infektiolog*innen.9,10
Die Bedeutung regelmäßiger Neubewertungen
Nach der Diagnosestellung sollten Patient*innen im Abstand von etwa vier Wochen erneut beurteilt werden.9 Regelmäßige Kontrolltermine ermöglichen eine fortlaufende Einschätzung, ob sich die Symptome verbessern und ob der aktuelle Behandlungsplan wirksam und weiterhin angemessen ist.9 Daher ist es wichtig, dass die behandelnden Ärzt*innen eine nachhaltige Beziehung zu den Patient*innen aufbauen, deren Bedürfnisse erkennen und gemeinsam einen Behandlungsplan festlegen, der zu ihrem Alltag und Lebensstil passt.8
Warnzeichen bei venösen Beinulzera
Wenn Warnzeichen erkannt werden, ist eine sofortige Behandlung und/oder eine umgehende Überweisung erforderlich.11
Zu den Warnzeichen gehören unter anderem:11
- Akute Infektion
- Anzeichen einer Sepsis
- Chronische, kritische Ischämien die die Gliedmaßen gefährdet
- Vermutete akute tiefe Venenthrombose
- Vermuteter Hautkrebs
- Blutende Varizen
Behandlungsstrategien für chronische venöse Ulzera16,17,18,19
Nicht‑vitales Gewebe:
Beobachtungen
- Fibrinbeläge oder nekrotisches Gewebe
Behandlungsziele
- Entfernung des nicht‑vitalen Gewebes durch Débridement, um die Wundheilung zu fördern
Verband‑ und Behandlungsoptionen
- Selektiv-scharf oder chirurgisch (z. B. Skalpell, Schere, Kürette)
- Mechanisch (z.B. Débridement‑Pad)
- Biologisch (Larventherapie)
- Enzymatisch
- Feuchtigkeitsspendende, autolytische Verfahren (z. B. Hydrogels, feuchthaltende Verbände)
Empfohlene Produkte
- Cutimed® Gel – Hydrogel, das hydratisiert sowie das autolytische Débridement unterstützt und gleichzeitig einen kühlenden Effekt bietet
- Cutimed® Sorbact® Gel Kompresse unterstützt Infektionsmanagement und autolytisches Débridement in einem Verband
Gewünschtes klinisches Ergebnis
- Vitales, gut durchblutetes Wundbett
Entzündung oder Infektion:
Beobachtungen
- Schmerzen
- Rötung
- Schwellung
- Wärme
- Geruch
- Eiter
- Erhöhte Exsudatmenge
- Fragiles (leicht blutendes) Granulationsgewebe
Behandlungsziele
- Reduktion der bakteriellen Last, um Infektionen oder entzündliche Prozesse zu kontrollieren
Verband‑ und Behandlungsoptionen
- Bei lokaler oder systemischer Infektion: Einsatz von topischen antimikrobiellen oder bakterienbindenden Wundauflagen in Betracht ziehen
- Bei Hochrisikopatient*innen, die eine prophylaktische Behandlung benötigen, kann die Verwendung eines antimikrobiellen Produkts sinnvoll sein
Empfohlenes Produkt
- Cutimed® Sorbact® - Wundauflagen mit Sorbact® Technology binden Bakterien irreversibel an die DACC™‑beschichtete Oberfläche – ohne Freisetzung aktiver Substanzen. Dies ermöglicht ein sicheres und effektives Infektionsmanagement und unterstützt die Wundheilung.
Gewünschtes klinisches Ergebnis
- Bakterielles Gleichgewicht, reduzierte Entzündung und Fortschreiten der Wundheilung
Feuchtigkeitsungleichgewicht:
Beobachtungen
- Starkes Exsudat, Risiko für Mazeration/Exkoriation
- Trockene Wunde
- Fragile (leicht verletzliche) Haut
- Ursachen des Exsudats prüfen und beurteilen, ob eine Kompressionstherapie erforderlich sein könnte
Behandlungsziele
- Schaffung eines ausgeglichenen, optimal feuchten Wundheilungsmilieus
- Auswahl eines Verbandes, der entweder überschüssiges Exsudat absorbiert oder trockene Wunden befeuchtet
Verband‑ und Behandlungsoptionen
Bei stark exsudierenden Wunden:
- NPWT (Unterdrucktherapie)
- Superabsorber
- Hydrofaser‑Verbände
- Alginat‑Verbände
- Schaumverbände
Bei geringem Exsudat:
- Hydrokolloide
- Hydrogele
- Folienverbände
- Feuchtigkeitsausgleichende Verbände
- Einsatz einer Schutzbarriere (z.B. Hautschutzfilm), um gefährdete Haut zu schützen
Empfohlene Produkte
- Cutimed® Siltec® - sanfte Schaumverbände für zuverlässiges Exsudatmanagement, auch unter Kompression
- Cutimed® Sorbion® - Superabsorber‑Verbände zur effektiven Exsudatkontrolle bei schwach bis stark nässenden Wunden, ebenfalls unter Kompression einsetzbar12
- Cutimed® Gelling Fiber - nimmt Wundflüssigkeit auf und verwandelt sich in ein weiches Gel, das ein feuchtes Wundmilieu erhält; geeignet für die Anwendung unter Kompression
Gewünschtes klinisches Ergebnis
- Optimales, feuchtes Wundheilungsmilieu
Voranschreitende / nicht‑voranschreitende Wundränder:
Beobachtungen
- Voranschreitende Wundränder mit sichtbarer Epithelisierung
- Nicht‑voranschreitende Wundränder: z. B. Unterminierungen oder gerollte Wundränder
Behandlungsziele
- Zeigt die Wunde Anzeichen einer Epithelisierung, wird die aktuelle Behandlung fortgeführt
- Zeigt die Wunde keine Fortschritte, sollte sie erneut beurteilt werden
Verband‑ und Behandlungsoptionen
- Schutzbarrieren (z. B. Barriercremes, ‑salben oder ‑filme)
- Wundkontaktschichten, um dabei zu helfen, Schmerzen und Traumatisierung beim Verbandwechsel zu vermeiden
Empfohlene Produkte
- Cutimed® PROTECT - als Spray, Schaumapplikator oder Creme erhältlich; bietet eine langanhaltende Schutzbarriere gegen Körperflüssigkeiten, insbesondere bei Feuchtigkeit durch Inkontinenz
- Cuticell® Contact - silikonbasierte atraumatische Wundkontaktschicht für schonende Verbandwechsel und eine ununterbrochene Wundheilung13
Gewünschtes klinisches Ergebnis
- Voranschreitender Wundrand
- Gesunde periwundale Haut
- Zeichen des Fortschreitens zur Wundschließung
Kompressionstherapie bei venösen Beinulzera
Kompression sollte so früh wie möglich als Teil eines ganzheitlichen Behandlungsplans eingesetzt werden.3,4,8 Sie unterstützt die venöse Funktion und wirkt der zugrunde liegenden venösen Insuffizienz entgegen.4 Sowohl in der akuten als auch in der chronischen Versorgung venöser Beinulzera gilt sie als wichtiger Bestandteil der ganzehitlichen Behandlung. Das wird unter anderem durch die NICE-Leitlinie für venöse Beinulzera bestätigt,14 die EMWA-Leitlinien von 2023,3 das internationale Konsensusdokument des Journal of Wound Care von 20247 sowie die S3-Leitlinie des European Dermatology Forum von 2016.15
Kompression hat entzündungshemmende Eigenschaften und kann Schmerzen, Wundexsudat und damit verbundene Hautprobleme reduzieren.4 Neben der Kompression ist es wichtig, das venöse Beinulkus sauber zu halten, um Infektionen zu vermeiden.4 Sobald das Ulkus abgeheilt ist, sollte ein individueller Behandlungs- und Nachsorgeplan erstellt werden, um Rückfälle zu verhindern.8
Cutimed® und JOBST® bieten ein umfassendes Spektrum an Lösungen für einen integrierten, ganzheitlichen Behandlungsansatz.
Die Behandlungsmöglichkeiten von Cutimed sind eine wirksame, leicht anzuwendende und klinisch bestätigte Option zur Versorgung chronischer Wunden, einschließlich venöser Beinulzera. Ihre Wirksamkeit wird durch eine solide klinische Evidenz gestützt.
Zu den Produkten für venöse Beinulzera gehören fortgeschrittene Wundversorgungsprodukte wie Cutimed Sorbact, Cutimed Sorbion, Cutimed Siltec und Cutimed Epiona. Diese können mit der Kompressionstherapie von JOBST kombiniert werden, darunter JOBST UlcerCare, JOBST UlcerCare Liners, JOBST FarrowWrap, JOBST Compri2, JOBST Compri2 Lite und JOBST Comprifore. Mehr erfahren bei JOBST.de.
Haftungsausschluss
Dieser Artikel dient als Informationshilfe, der bei klinischen Entscheidungen der Organisation herangezogen werden kann. Er stellt jedoch keine medizinische Beratung dar. Für ausführliche Informationen zu den jeweiligen Produkten, einschließlich Anwendungsgebieten, Kontraindikationen, Wirkungen, Vorsichtsmaßnahmen und Warnhinweisen, konsultiere bitte vor der Anwendung stets die Gebrauchsanweisung des Produkts. Wenn du unsicher bist, wende dich bitte an medizinisches Fachpersonal.
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