Ulzeration: Definition, Diagnose und Behandlung

Bild einer Ulzeration
Ulzerationen gehören zu den häufigsten chronischen Wunden in der klinischen Praxis. Ein fundiertes Wissen um die Ursachen solcher Geschwüre und um passende Therapiemöglichkeiten ist für die professionelle Wundpflege daher unverzichtbar.   
 
Der Begriff Ulzeration leitet sich vom lateinischen Wort ulcus ab, das „Geschwür“ bedeutet. Ein Ulcus bezeichnet einen tiefen Gewebeschaden der Haut oder Schleimhaut, der nicht nur die oberste Hautschicht (Epidermis), sondern auch die darunterliegenden Gewebeschichten (z. B. die Dermis) betrifft. Im Gegensatz zu oberflächlichen Verletzungen wie Kratzern und Schürfwunden heilt ein Ulcus nur langsam oder gar nicht von selbst ab. Daher ist es wichtig, dass Ulzerationen frühzeitig erkannt werden, denn ihre Behandlung ist aufwendiger als die oberflächlicher Wunden und erfordert oft auch eine Therapie möglicher Grunderkrankungen. 

Wie ein Ulcus entsteht: Ursachen der Ulzeration

Ein Ulcus entsteht oft dann, wenn Gewebe dauerhaft geschädigt wird – zum Beispiel durch mangelnde Durchblutung, zu hohen Druck, Infektionen, Entzündungen oder durch Verletzungen. Häufig liegt eine chronische oder wiederkehrende Belastung vor, die das Gewebe schwächt und schließlich zu schlecht heilenden Gewebeverlusten führt.

Typische Ursachen für Ulzerationen

Häufig kommt es zu Ulzerationen, wenn das Gewebe zu wenig Sauerstoff oder zu wenig Nährstoffe erhält. Arterielle Ulzera treten oft an den Zehen oder Füßen auf und sind schmerzhaft, während venöse Ulzera meist am Unterschenkel entstehen und weniger schmerzhaft sind. Unbehandelt können sie sich zu einem Gamaschenulkus ausweiten.

Auch langanhaltender Druck kann das Gewebe schädigen. Dieses Risiko besteht vor allem bei immobilen Patient*innen. Bei Druckbelastung kommt es zu einer Kompression des Weichgewebes zwischen Knochen und Auflagefläche.1 Das mindert die lokale Durchblutung und es entsteht ein Dekubitus. Kommt es zur Ulcus-Entwicklung, so befindet sich dieser meist an Knochenvorsprüngen wie Fersen, Kreuzbein oder Trochanter, wo die Belastung am größten ist.

Auch Stoffwechselerkrankungen wie bspw. Diabetes beeinträchtigen die Wundheilung, da sie oft mit einer schlechten Durchblutung einhergehen oder mit Nervenschäden, durch die Patient*innen starke Druckbelastungen zu spät bemerken. Ein Beispiel dafür ist das diabetische Fußulcus.

Bestimmte Bakterien oder Viren können Ulzerationen direkt verursachen oder bestehende Wunden verschlechtern. Beispiele hierfür sind Ulzera, die durch bakterielle Infektionen oder durch Herpes-simplex-Viren an Haut oder Schleimhäuten verursacht werden.

Bösartige Tumore können Haut und umliegendes Gewebe zerstören und dadurch zu schlecht heilenden Ulzerationen führen. Bei malignen Ulzera, etwa durch Hautkrebs, ist eine frühzeitige Diagnose besonders wichtig.

Auch einige therapeutische Maßnahmen bergen das Risiko, dass es zu Ulzerationen kommt. Strahlenulzera entstehen oft verzögert nach Bestrahlungen und heilen sehr schwer.

Entzündliche Erkrankungen können Gefäße und Gewebe angreifen und Ulzera auslösen. Beispiele sind Vaskulitiden oder Pyoderma gangraenosum, die mit schmerzhaften, tiefen Wunden einhergehen.

Eine ausführliche Anamnese und Wundbeurteilung hilft, die zugrundeliegende Ursache zu erkennen und eine passende Behandlung einzuleiten.

Diagnose und Symptome einer Ulzeration

Die Diagnose einer Ulzeration beginnt mit einer sorgfältigen Anamnese. Dabei müssen Vorerkrankungen, Mobilität, Schmerzempfinden und eventuelle Wundheilungsprobleme berücksichtigt werden. Auch Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus, Gefäßerkrankungen oder Tumorerkrankungen müssen erfragt werden, da sie die Heilung stark beeinflussen. 
 
Bei der Inspektion werden Größe, Tiefe, Wundrand, Wundgrund, Beläge, Exsudat-Menge und Zustand der Wundumgebung beurteilt. Eine Wunddokumentation hilft, den Verlauf festzuhalten. 
 
Je nach Verdacht können auch die folgenden Untersuchungen notwendig sein: 
 
  • Doppler-Sonografie oder ABI-Messung bei Durchblutungsstörungen
  • Mikrobiologische Abstriche bei Verdacht auf eine Infektion
  • Biopsie zur Abklärung eines Tumorverdachts
  • Bildgebung (z. B. MRT), wenn eine tieferliegende Ausdehnung vermutet wird 

FAQ zur Diagnose eines Ulcus

Mögliche Anzeichen einer Ulzeration sind: 
 
  • Tiefer Gewebeverlust, der über die oberste Hautschicht hinausgeht
  • Schlecht heilende Wunde, mitunter über Wochen oder Monate
  • Beläge oder Nekrosen im Wundgrund
  • Rötung und Schwellung der Wundumgebung (bei Entzündung)
  • Schmerzen (können aber auch fehlen, z. B. bei diabetischer Neuropathie)
  • Sekretion von Wundflüssigkeit, manchmal übelriechend
  • Wundrandveränderungen (z. B. unterminierte Wundränder, verhärtete Ränder)
  • Veränderung der Hautfarbe im Umfeld (z. B. Hyperpigmentierung bei CVI)
Typische Lokalisationen von Ulzerationen sind z. B. 
 
  • Unterschenkel (venöse oder arterielle Ulzera)
  • Fußsohle, Zehen, Fersen (z. B. bei diabetischem Fußulcus)
  • Kreuzbein, Trochanterregion (oft bei Dekubitus)
  • Mundschleimhaut oder Schleimhäute anderer Organe
  • Hautareale mit chronischer Reizung oder Tumorvorläuferläsionen

Eine frühe Diagnose ist grundlegend, damit rechtzeitig die passende Therapie eingeleitet werden kann.

Therapeutische Behandlung einer Ulzeration

Die Behandlung einer Ulzeration geht stets auch mit der Behandlung der Grunderkrankung einher. So müssen arterielle oder venöse Durchblutungsstörungen, Diabetes mellitus oder Tumorerkrankungen gezielt therapiert werden, da eine Ulzeration sonst nicht dauerhaft heilen kann. 
 
Druckentlastung 
 
Bei Ulzerationen, die durch Druckbelastung entstehen, ist eine konsequente Druckentlastung notwendig. Das kann beispielsweise spezielle Lagerungstechniken, druckentlastende Matratzen oder individuell angepasste orthopädische Hilfsmittel umfassen. 
 
Kompressionstherapie 
 
Bei venös bedingten Ulzera ist die Kompressionstherapie wesentlicher Bestandteil der Behandlung. Sie verringert das venöse Ödem, verbessert die Durchblutung im Gewebe und schafft damit die Voraussetzung für eine gute Wundheilung. Zur Kompression können je nach Situation und Patient*in entweder Mehrlagenverbände, medizinische Kompressionsstrümpfe oder moderne adaptive Systeme eingesetzt werden – beispielsweise selbsthaftende Wickelbandagen, Klettverschlusssysteme oder modulare Verbände mit einstellbarem Anpressdruck. 
 
Infektionskontrolle 
 
Anzeichen einer Infektion, etwa Rötung, Schmerz, Geruchsbildung oder vermehrtes Exsudat, müssen unbedingt erkannt und behandelt werden. Bei lokalen Infektionen können bakterienbindende Wundauflagen von Cutimed Sorbact eingesetzt werden, um die Keimlast in der Wunde zu reduzieren. Bei sehr stark ausgeprägten Infektionen kann zudem eine systemische Antibiotikatherapie erforderlich sein. 
 
Wundreinigung (Debridement) 
 
Ein wichtiger Bestandteil der Therapie ist auch das Debridement, also die Entfernung von Belägen, Nekrosen und abgestorbenem Gewebe. Das kann mechanisch, chirurgisch, enzymatisch oder mithilfe moderner Wundauflagen erfolgen.2 
 
Förderung der Wundheilung/Wundversorgung 
 
Ziel der modernen Wundbehandlung ist es, ein feuchtes Wundmilieu zu schaffen, das ideal für die Zellneubildung ist. Die Wahl der Wundauflage richtet sich dabei nach Exsudat-Menge und Zustand der Wunde. 

Die Auswahl des passenden Verbandes erfolgt anhand der Wunddiagnose und sollte regelmäßig überprüft werden, um die Therapie an den Heilungsverlauf anzupassen.

Wichtigkeit der Ulzerationsprophylaxe

Ulzerationen lassen sich oft verhindern. Dafür sind jedoch regelmäßige Hautkontrollen, Druckentlastung und eine gute Hautpflege erforderlich. Zudem müssen eventuelle Grundkrankheiten diagnostiziert und behandelt werden, wie bspw. Diabetes oder Durchblutungsstörungen. 
 
Doch dieser Aufwand lohnt sich, denn eine gute Vorsorge schützt Patient*innen vor den Schmerzen und der nur langsam fortschreitenden Wundheilung, die mit einem Ulcus einhergehen.  

Referenzen zur Ulzeration